Global Fraud Summit-Tag 2: Warum Wissen nicht mehr schützt und was jetzt wirklich zählt

Mittwoch, 25 März 2026 21:25
Von Maria Taramona

Panel „From policy to law enforcement action: Aligning the fight against fraud“. v.l.n.r.: Marzunisham Omar (Central Bank of Malaysia), Christopher Woods (Australian Federal Police), Elisa de Anda Madrazo, Präsidentin der Financial Action Task Force (FATF), Janine Steynberg (South African Police Service) und Anurag Kumar (Central Bureau of Investigation, Indien).Panel „From policy to law enforcement action: Aligning the fight against fraud“. v.l.n.r.: Marzunisham Omar (Central Bank of Malaysia), Christopher Woods (Australian Federal Police), Elisa de Anda Madrazo, Präsidentin der Financial Action Task Force (FATF), Janine Steynberg (South African Police Service) und Anurag Kumar (Central Bureau of Investigation, Indien).Foto: CulturaLatina

Wien.- Am zweiten Tag des Global Fraud Summit im Vienna International Centre verlagerte sich der Fokus spürbar: weg von reiner Analyse, hin zur Frage, wie Betrug konkret verhindert werden kann. Dabei rückte ein Aspekt in den Mittelpunkt, der in klassischen Sicherheitsdebatten oft unterschätzt wird: der Mensch.
Betrug trifft nicht nur Systeme, sondern Menschen
In mehreren Panels wurde deutlich: Betrug ist kein rein technisches Problem. Die Menschen wissen, dass es Betrug gibt, aber sie erkennen ihn oft nicht im entscheidenden Moment.
Die Folgen gehen weit über finanzielle Verluste hinaus. Opfer verlieren Vertrauen, in Systeme, in Institutionen und oft auch in sich selbst. Scham und Unsicherheit führen dazu, dass viele Fälle gar nicht erst gemeldet werden.

 

Globaler Austausch in Wien: Vertreter aus Politik, Strafverfolgung und Wirtschaft diskutieren beim Global Fraud Summit 2026 über Lösungen gegen internationalen Betrug. Foto: CuturaLatina
Globaler Austausch in Wien: Vertreter aus Politik, Strafverfolgung und Wirtschaft diskutieren beim Global Fraud Summit 2026 über Lösungen gegen internationalen Betrug. Foto: CuturaLatina
Warum selbst erfahrene Nutzer scheitern
Auch digital erfahrene Nutzer sind nicht vor Betrug geschützt. Der entscheidende Faktor ist nicht fehlendes Wissen, sondern Verhalten unter Druck. Betrug geschieht oft in Momenten von Zeitdruck, Unsicherheit oder Vertrauen, genau dort, wo schnelle Entscheidungen getroffen werden.
Täter nutzen diese Situationen gezielt aus, indem sie Dringlichkeit erzeugen, Angst verstärken oder sich als vertrauenswürdige Personen ausgeben. Selbst gut informierte Menschen reagieren in solchen Momenten zunächst emotional, und genau darauf bauen die Angriffe auf.
Prävention beginnt im richtigen Moment
Ein zentraler Konsens: Klassische Aufklärung allein reicht nicht mehr. Wirksam ist Prävention nur dann, wenn sie genau dort ansetzt, wo Entscheidungen getroffen werden. Das bedeutet:
• Warnungen direkt im Moment der Transaktion
• klare, einfache Botschaften
• gezielte Unterbrechung kritischer Prozesse
• „Stop-Think-Verify“ wurde dabei nicht als Kampagne verstanden, sondern als grundlegendes Verhaltensprinzip.
Wenn Systeme und Verhalten zusammen gedacht werden müssen
Ein weiterer zentraler Punkt: Betrugsbekämpfung funktioniert nur, wenn Technik und menschliches Verhalten gemeinsam betrachtet werden. Die Grenzen zwischen klassischer Strafverfolgung, digitaler Sicherheit und gesellschaftlicher Verantwortung verschwimmen zunehmend. Prävention wird damit nicht nur zu einer technischen, sondern zu einer sozialen Aufgabe.
Vom Summit in die Praxis
Mit dem „Call to Action“ wurde ein gemeinsamer Rahmen formuliert. Doch die entscheidende Frage bleibt die Umsetzung. Technologien und Strategien existieren bereits, die Herausforderung liegt darin, sie konsequent und rechtzeitig anzuwenden.
Oder wie es in einer der Diskussionen formuliert wurde: „Wir dürfen nicht nur verstehen, wie Betrug funktioniert. Wir müssen verstehen, wie Menschen entscheiden.“

 

Maria Taramona
Maria Taramona

María Elena Taramona de Rodríguez ist Journalistin, Grafikdesignerin sowie Chefredakteurin und Herausgeberin des zweisprachigen Magazins CulturaLatina & Österreich. Seit 2005 lebt sie in Österreich und gründete 2009 in Wien ihre eigene Werbeagentur, aus der später das Magazin entstand. Mit viel Engagement setzt sie sich dafür ein, kulturelle Verbindungen zwischen Österreich und der lateinamerikanischen Community zu stärken und den interkulturellen Austausch zu fördern.

maria.taramona@culturalatina.at