Beziehungen Österreich – Niederlande

Beziehungen Österreich – Niederlande

Beide Länder werden geprägt von ihrem über 500jährigen Beziehungsgefüge und ihrer langen gemeinsamen und sehr abwechslungsreichen Geschichte.

Historischer Rückblick

Am Anfang der vielfältigen Verbindungen zwischen Österreich und den Niederlanden stand die Heirat von Maria von Burgund und Maximilian von Österreich anno 1477. Sie dokumentiert eine entscheidende außenpolitische Wende: Karl V., Enkel von Maximilian I. beeinflusste das Weltreich und somit die spanischen Niederlande gerade auch durch die Teilung seines Weltreiches in zwei Teile. Anscheinend hat er neben Spanisch besser Flämisch gesprochen als Deutsch. Allerdings war das große Problem der Glaube -Katholizismus gegen Protestantismus.

Zur traditionellen kontinentalen Ausrichtung der Habsburger gesellten sich nun westeuropäische Interessen, die auch weitreichende kulturelle Folgen zeitigen sollten.  Das neue Dreieck Wien – Antwerpen/Leiden – Prag wurde für etwa zwei Jahrhunderte zum bestimmenden Faktor in der geistigen und künstlerischen Gestaltung Europas.

Ende des 16. Jahrhunderts kam es zum Aufstand gegen die Habsburger: Die gemäßigten Kräfte sprachen sich für die Landeseinheit aller 17 Provinzen aus, um gemeinsam gegen die habsburgische Herrschaft vorzugehen. Doch daraus wurde nichts. Denn 1579 vereinigten sich die südlichen Provinzen und schlossen Frieden mit dem habsburgischen König Philipp II.

Kurz darauf unterzeichneten die nördlichen Provinzen den Unionsvertrag von Utrecht und setzten 1581 Philipp II. als Landesherrn ab. Als die südlichen Niederlande 1585 von spanischen Truppen erobert wurden, stand die Grenze zwischen Nord und Süd endgültig fest.

Kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges besiegelte der Friede von Münster im Mai 1648 diese schließlich auch völkerrechtlich. Die nördlichen Niederlande erhielten die Staatsform einer Republik, die gut funktionierte. Die Habsburger, denen das heutige Belgien verblieb, waren zwar mittlerweile jene des spanischen Zweiges, aber sie unterhielten gute Kontakte zur österreichischen Linie. Es verwundert daher nicht, dass die Beziehungen zwischen der katholischen Habsburgermonarchie und der progressiven Republik mit ihrem ausgeprägten Handelsinteresse und der Vorherrschaft des Kalvinismus ziemlich frostig waren.

Nach der Etablierung der habsburgischen Herrschaft über die burgundischen Niederlande kam die Abtrennung der nördlichen Niederlande, mit dem Westfälischen Frieden 1648 erfolgte die internationale Anerkennung der neuen Republik der Vereinigten Niederlande und die Vereinigten Provinzen der Niederlande wurden unabhängig.

Nach dem Frieden von Utrecht (1713) fielen die Gebiete der vormaligen Spanischen Niederlande – das heutige Belgien und Teile Luxemburgs, aber auch Einflusssphären in den heutigen Niederlanden – an das Haus Habsburg. Berühmte Persönlichkeiten wie Prinz Eugen von Savoyen oder Karl von Lothringen dienten dort als Generalstatthalter für Wien.

Österreich war (mit seinen Österreichischen Niederlanden) einige Zeit sehr bedeutend in der Region und später auch ein geographischer Nachbar. Die Pläne von Maria Theresias Vater, einen österreichischen Seehafen an der Schelde zu bauen und anlehnend an die Ostindienkompanie der Engländer auch eine Gesellschaft zu gründen, die „Ostender Kompanie“ (gegründet 1722 von Kaiser Karl VI), hätte durchaus Potenzial gehabt, das Fortbestehen der österreichischen Niederlande dauerhaft abzusichern.

Interessant war auch ein Schachzug Josephs II: Er hatte mit den bayrischen Wittelsbachern schon ausgemacht, daß er ihnen die österreichischen Niederlande im Tausch gegen Bayern gibt. Monarchin Maria Theresia und ihre Berater haben aber auf die Zahlen schauend das verhindert. Damals war Bayern nur ein „Bauernstaat“, während die Österreichischen Niederlande zu jener Zeit die reichste Provinz des Habsburgerreichs war. Es kam zum Bayerischen Erbfolgekrieg gegen Friedrich II. von Preußen. Joseph II. musste sich im Frieden von Teschen 1779 letztlich mit dem Innviertel begnügen. 1785 versuchte er ein zweites Mal, im Tausch mit den Österreichischen Niederlanden Bayern zu erwerben, scheiterte aber wieder am Widerstand Friedrichs II. und des von ihm gegründeten Fürstenbundes.

In den österreichischen Niederlanden folgten Auseinandersetzungen mit Frankreich, 1792 wurden die Österreichischen Niederlande erstmals von französischen Revolutionsheeren besetzt. Nach der Niederlage der französischen Truppen in der Schlacht bei Neerwinden am 18. März 1793 konnte die Österreicher zunächst ihre Herrschaft wiederherstellen. Infolge der österreichischen Niederlage in der Schlacht bei Fleurus am 26. Juni 1794 gelang es den Franzosen, die Österreichischen Niederlande erneut zu besetzen. Am 1. Oktober 1795 wurden sie formal an Frankreich angeschlossen. 1797 trat Österreich im Frieden von Campo Formio die Österreichischen Niederlande an Frankreich ab. Der Friede von Lunéville bestätigte das 1801 auch im Namen des Heiligen Römischen Reiches, womit nach gut 300 Jahren auch die westeuropäische Einbindung Österreichs verloren geht.

1806 besetzte Napoleon Bonaparte die Batavische Republik. Sein Bruder Louis machte aus ihr 1806 das Königreich Holland; 1810 wurde es zu einem französischen Department. Die Batavische Republik war eine von 1795 bis 1806 bestehende französische Tochterrepublik, die auf dem Gebiet der heutigen Niederlande entstand.

Die französische Besatzungszeit in den Niederlanden endet erst 1813 mit Napoleons Niederlage bei der Völkerschlacht in Leipzig. Bereits 14 Tage, nachdem die Franzosen aus Amsterdam vertrieben worden waren – am 2. Dezember 1813 -, landete der Sohn des in der Verbannung gestorbenen Statthalters, Wilhelm I., in Scheveningen und wurde, noch bevor der Wiener Kongreß seine Einwilligung geben konnte, zum König ausgerufen. Nachträglich einigten sich die Diplomaten in Wien über die Vereinigung der früheren österreichischen Niederlande – das heutige Belgien – mit den nördlichen Niederlanden. Gewinner der Friedenskonferenz in Wien ist Wilhelm von Oranien: Er wird am 16. März 1815, also noch während des Wiener Kongresses, zum König des neuen Staatsgebildes gewählt – und begründet damit die niederländische Erbmonarchie des Hauses Oranien.

Zwischen ihm und Kaiser Franz II. (später: Franz I.) herrschten gute Beziehungen. Der Sammelleidenschaft dieses Kaisers sind übrigens auch die Exponate bedeutender Ausstellung zu verdanken. Franz sammelte alles, was er an Bildern bekommen konnte, und bei einem so alten Geschlecht wie den Oraniern war das natürlich nicht besonders schwer.

20 Jahrhundert

In Österreich erscholl zuerst, allen Kriegstreibern zum Trotz, der flammende Ruf „Die Waffen nieder!“ Der gefeierte Wiener Staats- und Völkerrechtslehrer Heinrich Lammasch, letzter Ministerpräsident Altösterreichs, besaß für Holland, der Heimat von Hugo Grotius, den Hort des Friedens, als Pazifist eine besondere Sympathie. 1899 war er Delegierter Österreich-Ungarns auf der ersten Friedenskonferenz in Den Haag. Ebenso nahm er 1907 in gleicher Eigenschaft an der zweiten Friedenskonferenz teil, nachdem er die Fortbildung des Völkerrechts durch die Haager Konferenz in einer eigenen Schrift klargestellt hatte. Seine Haltung unterschied sich wesentlich von der damals schon bedenklichen der preußisch-deutschen Delegierten.

Im Ersten Weltkrieg verhielten sich die Niederlande neutral und waren deshalb nicht an den Kämpfen beteiligt. So konnte man in Ruhe die konstitutionelle Monarchie als parlamentarische Demokratie ausbauen.

Bereits während des Ersten Weltkriegs und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und in den Nachkriegsjahren der beiden Weltkriege waren auch in Österreich Unterversorgung mit Nahrungsmitteln und daraus resultierende Unterernährung, Hunger und Mangelerkrankungen weit verbreitet.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges setzten nach dem Hungerwinter 1918/19 und den erschreckenden Berichten in der internationalen Presse über die Kindernot in Wien im Folgejahr erste Kinderhilfsaktionen („Save the Child“, „Rädda Barnen“) ein und auch Kinderverschickungen dienten diesem Zweck. Ab 1920 unterstützten auch die Alliierten entsprechende Aktionen. Zu den Hauptaufnahmeländern zählten auch die Niederlande mit 65.000 Wiener Kindern.

An die Niederländer erinnert übrigens noch eine weitere Wiener Straße: die Hollandstraße erhielt ihren Namen 1919 aus Dankbarkeit für humanitäre Hilfe nach dem Ersten Weltkrieg.

Am 10. Mai 1940 fielen die deutschen Nationalsozialisten im Rahmen von Hitlers Blitzkrieg-Strategie ins Land ein und hielten es fünf Jahre lang besetzt. Nach nur fünf Tagen war der Angriff beendet. Königin Wilhelmina und das niederländische Kabinett hatten am zweiten Kriegstag das Land verlassen und bauten in London eine Exilregierung auf. Auf Hitlers Befehl wurde am 17. Mai 1940 eine Zivilverwaltung mit einem Reichskommissar an der Spitze eingesetzt, die die Niederlande gleichschalten sollte.

Der oberste Besatzer, Arthur Seyß-Inquart, war gebürtiger Österreicher, ebenso wie der niederländische Parade-Antisemit Rost van Tonningen, der den Judenhass nach eigener Angabe in Wien kennen gelernt hatte, oder der Polizist, der Anne Frank verhaftete, Wiener waren.

Ein großer Teil der in Holland lebenden österreichischen Kolonie lehnte es übrigens ab, während der Besetzung für die deutsche Okkupationsmacht zu arbeiten; viele Österreicher lehnten die reichlicheren deutschen Lebensmittelkarten ab und begnügten sich mit der holländischen Ration, um nicht mit der NSV-Bekanntschaft machen zu müssen.

Da die katholische niederländische Bevölkerung, angespornt durch den unerschrockenen Erzbischof von Utrecht, Kardinal De Jong, der deutschen Invasion besonders tatkräftig Widerstand leistete, schließen sich ihr auch viele katholische Österreicher an.

In diese Zeit fällt das Wirken einer gebürtigen Wienerin namens Miep (eigentlich Hermine Gies), rechte Hand des Kaufmanns Otto Frank in Amsterdam. Sie sorgte für die Familie Frank und deren Leidensgenossen in dem Hinterhausversteck, das sie lange Zeit vor der Deportation bewahrte. Und sie war es auch, die Anne Franks Tagebuch für die Nachwelt rettete. Heute leisten, im Zeichen gemeinsamer Aufarbeitung und Nachbesinnung, junge Österreicher ihren Zivildienst im Anne-Frank-Haus in Amsterdam.

Anne Franks Schicksal berührt nicht nur Europa, sondern die ganze Welt. Ihrer Stiefschwester wurde durch die Adaption des österreichischen Staatsbürgerschaftsrechts 2021 wieder die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen.

Die antisemitische Politik der deutschen Besatzung in den Niederlanden erfuhr mit dem Februarstreik 1941 und dessen brutaler Niederschlagung eine wesentliche Verschärfung. Infolge mehrerer Verhaftungswellen ließen die nationalsozialistischen Behörden 1941 und 1942 hunderte jüdische Männer über andere Lager ins KZ Mauthausen deportieren. Da die Niederlande in den Jahren zuvor eines der wichtigsten Fluchtziele für deutsche und österreichische Jüdinnen und Juden waren, befanden sich unter den Verhafteten auch zahlreiche Emigranten.

Im KZ Mauthausen wurde der überwiegende Teil der Deportierten Opfer von gezielten Mordaktionen.

Während der Besatzung der Niederlande wurden niederländische StaatsbürgerInnen – Juden, Jüdinnen und Nicht-Juden/-Jüdinnen – in verschiedene Nazi-Lager deportiert. Insgesamt weicht diese Tragödie nicht ab von jenen, die sich in anderen Landen zugetragen haben; darum kann nicht von einer spezifisch niederländischen Deportationsgeschichte gesprochen werden.

In Mauthausen spielte sich hingegen in Bezug auf Gefangene, die aus den Niederlanden kamen, neben der allgemeinen auch eine besondere Geschichte ab. Grundsätzlich wurden hier wie woanders auch Gefangene festgehalten, die vorher in anderen Lagern oder Gefängnissen gesessen sind. In Bezug auf niederländische Gefangene muß man etwa an die denken, die ab Herbst 1944 aus Auschwitz evakuiert wurden, oder an jene, die im März 1945 das Frauenlager Ravensbrück verlassen mußten. Besonders Mauthausen wurde für die Niederlande jedoch in dem Sinn zu einer Drehscheibe, daß dort zwei Gruppen jüdischer Gefangener innerhalb kürzester Zeit nach ihrer Ankunft ermordet wurden: insgesamt 1.200 Männer, die 1941 in Folge von Razzien (ca. 800) und 1942 (ca. 400) als individuelle Häftlinge aus den Niederlanden weggeführt wurden. Unter den Gräueltaten, die in allen Nazi-Lagern stattfanden, haben diese Massaker dem KZ Mauthausen in den Niederlanden einen besonderen und berüchtigten Ruf verliehen.

Die schrecklichen Folgen der nationalsozialistischen Besatzung: 15.000 Niederländer starben im Hungerwinter 1944/45, 8000 niederländische Zwangsarbeiter kamen in Deutschland ums Leben, und von den rund 140.000 in den Niederlanden lebenden Juden wurden 120.000 in Konzentrationslager deportiert. Nur 6000 kehrten nach Kriegsende zurück.

Beziehungen in den Nachkriegsjahren

Mithilfe des US-amerikanischen Marshallplans gelang nach dem Krieg der Wiederaufbau. Nach dem Verlust seiner größten Kolonie, Niederländisch-Indiens, (auch bekannt als Niederländisch-Ostindien, war der Vorläufer der heutigen Republik Indonesien) im Jahr 1949 orientierte sich das Land außenpolitisch neu: Aus der neutralen Seemacht wurde ein Gründungsmitglied der NATO und der Europäischen Union, zu deren wohlhabendsten Mitgliedsstaaten es heute zählt.

Schon 1950 lag das Nationaleinkommen in den Niederlanden höher als vor dem Zweiten Weltkrieg. Das Land zählte damals zu den zehn größten Wirtschaftsmächten der Welt mit international operierenden Konzernen wie Royal Dutch Shell, Unilever und Philips. Dies ermöglichte den Aufbau eines großzügigen Sozialstaates.

Das Land stimulierte die Einführung des Euros im Jahre 1999 (Vertrag von Maastricht) als Währungseinheit der Europäischen Union. Seit dem 1. Jänner 2002 ist der Euro die offizielle Währungseinheit, die den Holländischen Gulden ablöste.

In den Nachkriegsjahren wurden die Beziehungen zwischen beiden Ländern intensiviert und in allen Bereichen des täglichen Lebens schnell ausgebaut. Dazu gehörten auch Städte- und Gemeindepartnerschaften. Die bedeutendste ist wohl jene zwischen Graz und Groningen.  Seit 1964 bestehend, haben der ehemalige Grazer Bürgermeister Gustav Scherbaum und sein niederländischer Amtskollege Jan Tuin dazu maßgeblich beigetragen.

„Den Grundstein für die Städtefreundschaft mit der nordholländischen Stadt Groningen habe ich – so merkwürdig es klingen mag – mit 14 Jahren gelegt, als ich unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg mit vielen anderen österreichischen Kindern auf einige Monate nach Holland eingeladen wurde. Das holländische Fernsehen hat im Frühjahr 1963 gemeinsam mit dem österreichischen eine Sendung veranstaltet, in der über diese seinerzeitige Kinderhilfsaktion und über das spätere Leben einiger dieser Hollandkinder berichtet wurde. Aus diesem Anlass wurde ich vom holländischen Fernsehen nach Hilversum eingeladen, wo ich den Bürgermeister von Groningen, Herrn Tuin, kennenlernte. Wir beide haben damals vereinbart, eine engere freundschaftliche Verbindung zwischen unseren beiden Städten anzubahnen“, wird Gustav Scherbaum zitiert.

 

Delegation aus Groningen im Juni 2024 zu Gast in Graz

Bürgermeisterin Elke Kahr (2. v. l.) und Vizebürgermeisterin Judith Schwentner mit Honorarkonsul Georg List und dem Groninger Baudirektor Bert Popken, der sich spontan zu Wort meldete. © Stadt Graz/Fischer

So besteht etwa seit dem Schuljahr 2018/2019 die „Niederländische Schule Steiermark“ in Graz (niederländische Sprache und Kulturunterricht in der Steiermark) mit einem wöchentlichen Unterricht für Kinder im Alter von vier bis 14 Jahren mit niederländischem bzw. flämischem Hintergrund.

Wirtschaft

Die Niederlande zählen zu den wichtigsten Handelspartnern Österreichs und die Wirtschaftsbeziehungen bewegen sich auf einem hohen Niveau, die Niederlande sind das achtwichtigste Lieferland für Österreich.

Zum traditionellen niederländischen Handelsüberschuß trägt wesentlich auch der Hafen Rotterdam bei. Er ist nicht nur der größte Hafen Europas, sondern auch einer der führenden Übersee-Umschlagplätze Österreichs.

Österreich ist auch ein großer Auslandsinvestor in den Niederlanden, sie liegen damit innerhalb der EU nach Deutschland an zweiter Stelle. An die 200 österreichische Unternehmen exportieren regelmäßig in die Niederlande, 170 österreichische Unternehmen sind in den Niederlanden etabliert.

Von noch größerer Bedeutung ist der Dienstleistungssektor, wie etwa der Tourismus. Schon seit vielen Jahren sind die Gäste aus den Niederlanden die mit großem Abstand zweitgrößte ausländische Touristengruppe in Österreich. Österreich liegt an 5. Stelle im Ranking der beliebtesten Auslandsreiseziele der Niederländer. Im Winter ist Österreich sogar Urlaubsziel Nr. 1 für sie: 60% der niederländischen Winterurlauber verbringt den Urlaub in Österreich.  Im Jahr 2024 gab es 11,09 Mio Übernachtungen von Gästen aus den Niederlanden.

Die niederländische Königsfamilie verbringt regelmäßig ihren Winterurlaub in Lech am Arlberg in Österreich. Seit 1959 ist die Familie jedes Jahr für etwa zwei Wochen dort zu Gast. Die Familie genießt die Ski- und Schneebedingungen in Lech und die Gastfreundschaft in der Region.

Trotzdem war es gerade die niederländische Königin Beatrix, die Anfang 2000 mitten im Sanktionsfieber ihrem österreichischen Wintersportort demonstrativ treu blieb, ein Akt der Freundschaft und Verbundenheit, den ihr die Österreicher hoch anrechnen und der in Erinnerung bleiben wird.

Aktuelle bilaterale Beziehungen

Offizielle diplomatische bilaterale Beziehungen zwischen den beiden Ländern bestehen seit dem19. Jänner 1920.

Nach den Wirren der beiden Weltkriege wurden die gegenseitigen Beziehungen in den 1950iger Jahren rasch wieder intensiviert und ausgebaut. Seit damals gibt es einen regen und intensiven Besuchsaustausch auch auf höchster Ebene, besonders hervorzuheben ist dabei aber der Offizielle Staatsbesuch Ihrer Majestäten König Willem-Alexander und Königin Máxima vom 27. bis 29. Juni 2022 in Österreich.

 

Königin Máxima, König Willem-Alexander, Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Präsidentengattin Doris Schmidauer © Präsidentschaftskanzlei

 

Neben einer Reihe von Arbeitsgesprächen u.a. mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Karl Nehammer legten sie an der Gedenkstätte für die in der Shoah ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer einen Kranz nieder und besuchten Sozial- und Stadtplanungsprojekte in Wien. Einen Tag verbrachten sie in der steirischen Landeshauptstadt Graz mit einem Besuch des weltberühmten Lipizzanergestütes in Piber.

Kunst, Kultur und Wissenschaft

Die für die Weiterentwicklung Europas bedeutenden Epochen haben Spuren hinterlassen, Bauwerke, Denkmäler und Symbole, die an besondere Leistungen bedeutender Persönlichkeiten in beiden Ländern erinnern.

Ein Symbol der Vernetzung prägt bis heute das Stadtbild von Amsterdam: die habsburgische Krone auf dem Turm der Westerkirche. Und wie häufig bei historischen Symbolen, sind auch diesem einige Uneindeutigkeiten nicht fremd. Kaiser Maximilian von Österreich hatte 1489 Amsterdam das Recht verliehen, eine Krone über dem Wappen zu tragen, ein Akt, der wohl wirtschaftlicher Natur war, was generell für die niederländisch-österreichischen Beziehungen galt. Doch erst seit 1620/21, als Holland bereits eine Republik war, prangt die Krone auf Amsterdams höchstem Stadtturm, der Westerkirche. Dabei ist sie eigentlich die Hauskrone von Maximilians Enkel Rudolf II., die nach einer Zeichnung Albrecht Dürers vom niederländischen Goldschmied Hans Vermeyen um 1602 in Prag angefertigt wurde.

 

 

Im Sommer des Jahres 1574 trafen in Wien bei dem aus dem damaligen Flandern stammenden Hofbotaniker Cherles de l’Ecluse, flämisch Karel van der Sluis und bekannt als Carolus Clusius, Tulpensamen und -zwiebeln ein; sie kamen vom kaiserlichen Botschafter in Konstantinopel, dem gebürtigen Niederländer namens Ogier Ghislain de Busbecq. Clusius, der übrigens in Wien u.a. die Kartoffel einführte, züchtete Gewächse in jenem botanischen Garten, den er im Auftrag von Maximilian errichtet hatte (heute Teil des Botanischen Instituts in der Wiener Jacquingasse) und verschickte sie an europäische Freunde.

Als 1576 Rudolf II., der Sohn Maximilians II., alle Angestellten mit protestantischem Glauben entließ, fand Clusius in Balthasar Batthyány, dem Burgherrn von Güssing, einen Freund und Förderer. Im südburgenländischen Güssing sowie auf der Burg Schlaining verfaßte Clusius sein bedeutendes Werk „Stirpium Nomenclator Pannonicus“, die erste österreichische Pflanzenkunde. Seine Arbeiten über die Pflanzen in Österreich und Ungarn blieben für mehr als 100 Jahre maßgebend. Dabei waren diese Werke ebenso wie die zu den Pflanzen der Iberischen Halbinsel keine „Flora“ im heutigen Sinne, sondern eine Art Vorläufer, eine Zusammenstellung und Beschreibung aller Pflanzen, einschließlich der Kultur- und exotischen Zierpflanzen, die in diesen Gebieten wachsen.

Ab 1593 war er in Leiden tätig, wo er ebenfalls einen botanischen Garten einrichtete (heute weltberühmt als Hortus Botanicus), damit dürfte auch das Datum des Geburtstags der Tulpe als nunmehr holländische Nationalblume fixiert sein. Gleichwohl ist es nur ein Indizienbeweis, denn es fehlen schriftliche Hinweise, daß Clusius tatsächlich als erster Tulpenzwiebel von Wien nach Holland mitgenommen und auch dort angebaut hat. Dennoch bleibt es sehr wahrscheinlich, daß seine Tulpenkultur in Wien noch vor der ersten in Holland geblüht haben dürfte.

Bedeutende Leistungen erbrachten Holländer bei der Ausgestaltung von Schönbrunn im 18. Jahrhundert. Viereinhalb Millionen Besucher jährlich bewundern die Gruppenportraits der kaiserlichen Familie und die großen Historienbilder, die Martin van Meytens ab 1721 für das Schloß geschaffen hatte.

Im Schloßpark legte ab1753 der Gärtner Adrian van Steckhoven als Hofgartendirektor den Holländischen Garten an, der dann später nur mehr als der – heute leider nicht mehr bestehende – Botanische Garten bezeichnet wurde. Nicolas Jacquin aus Leiden unternahm eine wissenschaftliche Bearbeitung des Gartens und bereicherte ihn mit weiteren Pflanzenarten. Viele davon brachte er von einer wissenschaftlichen Expedition mit, die er im kaiserlichen Auftrag von 1755 bis 1759 nach Westindien durchführte. Um 1800 wurde nach Jacquins wissenschaftlichen Werken ein kleiner Unterrichtsgarten für die Erzherzöge angelegt, wobei das Linnésche System in 24 Beeten mit 400 Pflanzen veranschaulicht wurde. Die Jacquingasse, in der sich heute übrigens die Residenz des niederländischen Botschafters befindet, erinnert an den berühmten Zuwanderer aus den Niederlanden.

Zwischen Kunsthistorischem und Naturhistorischem Museum an der Wiener Ringstraße steht das bekannte Denkmal Maria Theresias und ihrer Berater, unter ihnen befindet sich wohl der berühmteste niederländische Gelehrte in Österreich. Eine Umwälzung auf wissenschaftlichem Gebiet verdankte Österreich im 18. Jahrhundert dem aus Leyden nach Wien berufenen Professor der Medizin Gerard Van Swieten, ein Schüler von Herman Boerhaave, dem berühmtesten Arzt des 18. Jahrhunderts. An ihn, der selber nie in Österreich war, erinnert heute noch die Boerhaavegasse.  Van Swieten war Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia und führte die Reform der Universität Wien und des gesamten österreichischen Medizinwesens in modernem Sinne durch. Das Wiener Allgemeine Krankenhaus erinnert heute noch an ihn. Daneben förderte er das literarische Leben. Michael Denis, ein österreichischer katholischer Priester, Schriftsteller, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologe widmete ihm eine Ausgabe „Ossians“.  Auch Joseph Freiherr von Sonnenfels, ein österreichischer Schriftsteller der Aufklärung, zudem Verwaltungsreformer und Professor der Politischen Wissenschaften, zählte zu seinen Freunden.

Gerard von Swieten lockerte in seiner Tätigkeit als Präfekt der Hofbibliothek die Zensurbestimmungen und richtete den ersten öffentlichen Lesesaal ein. Er hatte in den Niederlanden nicht nur ein zeitgemäßes Verlags-, sondern in Leiden auch ein modernes wissenschaftliches Bibliothekswesen kennen und schätzen gelernt. Als Vorsitzender der Bücherzensur-Hofkommission ordnete er das Zensurwesen in den habsburgischen Ländern neu. Zudem war er als Gesundheitsminister Initiator eines flächendeckenden Gesundheitssystems sowie erster großer Universitätsreformator. Er berief 1754 Anton de Haen aus Leiden nach Wien, der hier zum Leiter der neugegründeten Medizinischen Klinik bestellt wurde und als erster weltweit Medizinstudenten direkt am Krankenbett unterrichtete. Van Swieten, der ebenfalls aus Leiden stammte und als Begründer er ersten medizinischen Schule gilt, ist in der Georgskapelle der Augustinerkapelle beerdigt.

Gerard Van Swieten wurde mehrfach geadelt: 1748 wurde er Baron der Österreichischen Niederlande, 1753 in Österreich in den Freiherrenstand erhoben und 1767 in den Tiroler Ritterstand.

Im Jahr 1862 wurde in Wien-Alsergrund (9. Bezirk) die Van-Swieten-Gasse nach ihm benannt. Ebenfalls in Wien ist nach ihm die Van-Swieten-Kaserne des österreichischen Bundesheeres benannt. Die Medizinische Universität Wien würdigte Van Swieten unter anderem mit der Benennung ihres Festsaals als Van Swieten Saal.

 

Statue Gerard Van Swieten am Maria Theresien Denkmal in Wien © El bes 4.0 International

 

Sein Sohn Gottfried Freiherr van Swieten, der ebenfalls an der Spitze der Wiener Hofbibliothek (der heutigen Nationalbibliothek) und später als Diplomat in österreichischen Diensten stand, war u.a. mit Haydn und Mozart befreundet und machte Mozart mit den Arbeiten von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel bekannt, als er um 1782/83 die Manuskripte, die er während seines langen Aufenthalts in Berlin gesammelt hatte, bei den regulären Sonntagskonzerten im großen Prunksaal der Wiener Hofbibliothek zur öffentlichen Aufführung zur Verfügung stellte.  Als Mozart 1791 starb, organisierte van Swieten für ihn die damals allgemein übliche Beerdigung 3. Klasse.

Gottfried van Swieten verfaßte auch den Text zu Haydns „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“ und Ludwig van Beethoven widmete ihm die erste Symphonie.

Umgekehrt entsandte Österreich wieder bedeutende Kräfte heimischer Herkunft nach den Niederlanden. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts wirkte zum Beispiel Johann Nestroy, der österreichische Aristophanes, als Sänger und Schauspieler in Amsterdam. Schulausgaben von Dichtern, wie Grillparzer, Stifter, Ebner-Eschenbach und anderen, machen die holländische Jugend seit Jahrzehnten mit der Literatur Österreichs frühzeitig bekannt. Welche Aufmerksamkeit ihr an den Universitäten zuteil wird, beweisen Doktordissertationen etwa von Amsterdam, Nymwegen und Groningen, die das Burgtheater, Caroline Pichler, Adalbert Stifter, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Ferdinand von Saar und andere österreichische Dichter zum Gegenstand haben.

Unausgesetzt geht auch der Professorenaustausch weiter. Der letzte große Chirurg Österreichs Anton Freiherr von Eiseisberg war gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Utrecht tätig, während der berühmte Wiener Kliniker Karl Friedrich Wenckebach aus Den Haag stammt.

In den Niederlanden selbst gibt es noch zahlreiche österreichische Spuren. Am malerischen Hafen von Veere in der niederländischen Provinz Seeland steht ein Haus mit dem Namen „Oostenrijk“, etwas weiter liegt das Stadtmuseum, in dessen Besitz sich ein silberner Pokal des Kaisers Karl V. befindet. Ein Geschenk an den Grafen Maximilian von Buren, der 1546 seine Truppen in Ingolstadt mit den Kaiserlichen vereinigt hatte. Auch die kleine geldersche Stadt Buren selbst bildet eine Klammer zwischen den Niederlanden und Österreich. Der zweite Bibliothekar der habsburgischen Hofbibliothek, Sebastian Tengnagel, wurde hier 1573 geboren, wie seinem verwitterten Grabstein an der südöstlichen Außenmauer des Hauptchors des Wiener Stephansdoms zu entnehmen ist.  Der erste Bibliothekar der Hofbibliothek (heute Nationalbibliothek) war ebenfalls ein Holländer, nämlich der in Delft geborene Hugo Blotius. Kaiser Maximilian II. hatte ihn beauftragt, für den planmäßigen Ausbau der Bibliothek eine Bestandsaufnahme und Katalogisierung vorzunehmen. Insgesamt 112 Jahre lang haben Niederländer an diesem „Weltgebäude der Gedanken“ mitgewirkt.

Der Zauber holländischer Seestücke, Landschaften und Genreszenen, mit Meisterwerken von Wouverman, Ostade u.a., auch der berühmte Vermeer („Die Malkunst“ und Rembrandts „unergründlicher Blick“) in einigen seiner besten Selbstportraits stellen einen bedeutenden Teil der reichen Bestände an alteuropäischer Kunst im Wiener Kunsthistorischen Museum dar. Von den Erwerbungen Erzherzog Leopold Wilhelms, dem österreichischen Statthalter in den südlichen Niederlanden 1646-1655, bis zu den Schenkungen von Louis und Clarisse Rothschild im 20. Jahrhundert reicht die lange Geschichte der Erwerbungen holländischer Kunst für Österreich.

Außerordentlich nachhaltig war der Einfluß Hollands auf religiösem Gebiet. 1552 kam Petrus Canisius, der große Sohn Nymwegens, nach Wien und begann hier seine ausgebreitete Tätigkeit als Professor und Prediger. Auch die hohen Studien in Prag, Innsbruck und Graz wurden von seinem Eifer erfaßt. In Österreich schrieb er seinen in zahllosen Auflagen verbreiteten kleinen Katechismus. Wenn der alte Glaube an der Donau nicht nur erhalten blieb, sondern auch neuen Boden gewann, so hatte der Heilige aus Holland sich darum unvergängliche Verdienste erworben. Ebenso empfingen die kirchenpolitischen Neuerer des 18. Jahrhunderts in Österreich starke Anregungen aus den Niederlanden. Es ist noch nicht ausreichend erforscht, steht jedoch bereits fest, daß der sogenannte Josephinismus, der in der österreichischen Intelligenz jahrzehntelang haften blieb, auf den von Utrecht ausgehenden Jansenismus zurückgeführt werden muß.

Ein Kontinuum bilden die kulturellen Beziehungen. Niederländische Musiker prägten im 15. und 16. Jahrhundert das Musikleben an den Höfen in Innsbruck und Graz. Eine gemeinsame musikalische Vergangenheit, die Jahrhunderte später der damals in den Niederlanden wirkende österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt reaktualisiert hat. Er begann in den 1970er Jahren, als Dirigent anderer Orchester als des Concentus Musicus zu agieren. Das erste große klassische Symphonieorchester mit modernen Instrumenten, mit dem er zusammenarbeitete, war das Concertgebouw-Orchester in Amsterdam. Seit Oktober 2000 war Harnoncourt Ehrengastdirigent des Concertgebouw-Orchesters.

Fast es eine Selbstverständlichkeit, daß in Amsterdam, der Stadt der habsburgischen Kaiserkrone, der Architekt Wilhelm Holzbauer an der Amstel die für einen Wiener eigentlich gar nicht so abwegige Kombination von Rathaus und Oper errichtet hat. Und wer weiß noch um die Vernetzung im sozialen Städtebau Wiens und Amsterdams in den 1920iger Jahren? Es war der in Amsterdam lehrende Planologe Professor Faludi, der mit seinen Studien über Otto Neurath diese wichtige gemeinsame Vergangenheit aufgearbeitet hat. Neurath, Wiener Nationalökonom, Soziologe, Philosoph, und, wie er sich selbst nannte, „Gesellschaftstechniker“ sowie Exponent des „Wiener Kreises“, der sich später (1934-40) in Holland aufhielt, hat übrigens in Den Haag das „Munandeum“ gegründet, das ein Institut für die Einheit der Wissenschaften einschloß.

Schließlich erinnerte 1994 das Mondrian-Jahr an die vielfältigen Kontakte der Moderne der zwanziger und dreißiger Jahre am Beispiel der Wiener Werkstätte und der niederländischen „Stijl-Gruppe“ um den Maler Piet Mondrian. Im selben Jahr informierte eine Donau-Ausstellung in Oberösterreich über die Mitwirkung niederländischer Wasserbauingenieure bei der Donauregulierung, der Ingenieur Vogemonte plante Ende des 17. Jahrhunderts sogar eine Verbindung mit der Moldau. Heute sind Rotterdam und Linz, und mit dieser Verbindung schließt sich der Bogen, Häfen am Rhein-Main-Donau-Kanal, einem durchgehenden europäischen Wasserweg.

Gesellschaft

Was die Österreicherinnen und Österreicher an den Niederländern – hier meist nur Holländer genannt – bewundern und schätzen ist ihre Lebensart, oft mit dem Begriff „gezelligheid“ umschrieben, sie zeichnet sich durch eine Mischung aus Geselligkeit, Entspanntheit und einem starken Gemeinschaftsgefühl aus und ist geprägt von Toleranz, Liberalismus und Weltoffenheit, aber auch von einem gewissen Individualismus und Pragmatismus. Es ist eine Kultur, die Wert auf Bildung, Arbeit, aber auch auf eine ausgewogene Work-Life-Balance legt.

Schon seit Langem stößt man in Österreich auf Bewunderung für die Niederlande. Es mutet schon fast kurios an, wie Politiker aller Couleurs immer wieder Vorbilder in den Niederlanden entdecken: Privatisierung und flexible Arbeitsverhältnisse die einen, Drogenpolitik oder das Integrationsmodell die Regierung und Opposition gleichermaßen. Vielleicht liegt das aber daran, daß die Niederlande derzeit wirtschaftlich ein zweites Goldenes Zeitalter zu erleben scheinen und sich der sprichwörtliche holländische Kaufmannsgeist bestens bewährt.

Was auch noch gefällt, sind Besonderheiten, die es eben nur in den Niederlanden gibt, eine der bekanntesten ist wohl die Elfstedentocht, als bedeutendes kulturelles Ereignis erlebt wird. Die Bedeutung der Elfstedentocht in den Niederlanden ist hoch. Die Elfstedentocht ist nicht nur eine populäre reale Veranstaltung, sondern ein nationaler Mythos. Es handelt sich um ein historisches Eisschnelllaufrennen in der Provinz Friesland, das über eine 200 Kilometer lange Strecke durch elf friesische Städte führt und das bis zu 17.000 Läufer und 1,5 Millionen Zuschauer anzieht. Es ist nur möglich, wenn die Kanäle und Flüsse ausreichend gefroren sind, um eine sichere Fahrt zu ermöglichen. Die letzte Elfstedentocht fand im Jahr 1997 statt. Der Rekord für die schnellste Zeit wurde 1985 von Evert van Benthem mit 6 Stunden und 47 Minuten aufgestellt.

Mittlerweile sind die Winter aber mild geworden und die Grachten und Kanäle frieren nicht mehr richtig zu, also mußte man sich nach einer Alternative umsehen.  Diese liegt seit Jahren in Techendorf am Weissensee in Kärnten und zieht jedes Jahr an die 5000 Holländer an, die hier ihre Marathon-Wettbewerbe austragen. Ein Erlebnis für alle Beteiligten, egal ob als Sportler, Funktionär oder Zuseher, bei dem der Enthusiasmus beide Länder gleichermaßen miteinander verbindet.

 

Statue Gerard Van Swieten am Maria Theresien Denkmal in Wien © El bes 4.0 International

 

Österreich und die Niederlande, eine vielfältige und intensive Beziehungsgeschichte mit allen Höhen und Tiefen mit dem Ergebnis einer auf eine friedliche Zukunft ausgerichteten Perspektive und einem Handeln, das dem Wohl aller Menschen dient.

Hermann Kroiher, April 2026