Respekt, Integrität, Solidarität – Leitgedanken der Generalversammlung der UNCAV (United Nations Correspondents Association Vienna)

Die Generalversammlung der UNCAV vom 26.02.2026 lädt dazu ein, über die grundlegende Bedeutung des Journalismus – insbesondere des internationalen Journalismus – nachzudenken. Im Zentrum steht dabei ein Wert, der demokratische Gesellschaften trägt und zugleich ständig neu verteidigt werden muss: die Meinungsfreiheit.
Journalismus als Fundament der Meinungsfreiheit
Meinungsfreiheit ist kein abstraktes Ideal. Sie lebt von Menschen, die recherchieren, einordnen, hinterfragen und veröffentlichen. Journalistinnen und Journalisten schaffen die Voraussetzung dafür, dass Bürgerinnen und Bürger informierte Entscheidungen treffen können. Ohne verlässliche Information verkommt Meinungsfreiheit zur bloßen Behauptung; erst durch überprüfbare Fakten wird sie zu einer tragfähigen Grundlage demokratischer Willensbildung.

Gerade der internationale Journalismus hat hier eine besondere Funktion. Er verbindet nationale Diskurse mit globalen Entwicklungen. In einer Zeit multipler Krisen – geopolitischer Spannungen, Migration, Klimawandel, digitaler Desinformation – entscheidet die Qualität internationaler Berichterstattung darüber, ob Gesellschaften differenziert reagieren oder in Polarisierung verfallen.
Wien und Österreich als Standort des internationalen Journalismus
Wien ist traditionell ein Knotenpunkt internationaler Organisationen, diplomatischer Vertretungen und Medien. Institutionen wie die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) oder die Vereinte Nationen mit ihrem Amtssitz in Wien prägen das internationale Umfeld der Stadt. Parallel dazu existiert eine Vielzahl journalistischer Vereinigungen, Berufsvertretungen und Medienhäuser in Österreich.

In diesem vielfältigen Gefüge nimmt die UNCAV eine besondere Stellung ein: Sie ist historisch und strukturell auf internationale Korrespondentinnen und Korrespondenten ausgerichtet, die aus Wien heraus über Österreich, Mittel- und Osteuropa sowie internationale Institutionen berichten. Damit verbindet sie lokale Verankerung mit globaler Perspektive.
40 Jahre UNCAV – Kontinuität und Auftrag
Seit nunmehr 40 Jahren steht die UNCAV für:
– Berufliche Vernetzung internationaler Journalistinnen und Journalisten
– Förderung der Pressefreiheit im nationalen wie internationalen Kontext
– Dialogplattform zwischen Medien, Diplomatie, Politik und Zivilgesellschaft
Ihre Notwendigkeit ergibt sich nicht trotz, sondern gerade wegen der Vielzahl anderer Organisationen. Während große Berufsverbände oft nationale Medienstrukturen abbilden, konzentriert sich die UNCAV auf die spezifischen Herausforderungen internationaler Berichterstattung: Akkreditierungen, Arbeitsbedingungen für Auslandskorrespondenten, Zugang zu internationalen Institutionen, interkulturelle Vermittlung und Schutz journalistischer Standards über Sprach- und Systemgrenzen hinweg.
Bedeutung im heutigen Medienumfeld
Die letzten Jahrzehnte haben den Journalismus tiefgreifend verändert:
– Digitale Plattformen beschleunigen Informationsflüsse.
– Desinformation untergräbt Vertrauen.
– Ökonomischer Druck schwächt redaktionelle Unabhängigkeit.
– Autoritäre Tendenzen gefährden Pressefreiheit weltweit.

Gerade in diesem Umfeld braucht es Organisationen, die berufliche Solidarität stärken und internationale Standards hochhalten. Die UNKAV wirkt hier als Stabilitätsanker – nicht primär als medienpolitischer Machtfaktor, sondern als Netzwerk, Schutzraum und Stimme für jene, die über Grenzen hinweg berichten.
Die Bedeutung der UNCAV lässt sich in drei Punkten bündeln:
– Wahrung der Meinungsfreiheit durch Unterstützung professioneller journalistischer Arbeit.
– Stärkung des internationalen Journalismusstandorts Wien.
– Kontinuität und Erfahrung aus vier Jahrzehnten institutioneller Präsenz.
In einer Zeit, in der Information zur strategischen Ressource geworden ist und Wahrheit zunehmend umkämpft erscheint, ist die Existenz einer spezialisierten Organisation für internationale Korrespondentinnen und Korrespondenten kein Relikt, sondern ein zukunftsgerichteter Beitrag zur demokratischen Öffentlichkeit.

Liebe Mitglieder der gewählten Vereinsführung, zu Beginn eurer Amtsperiode möchten wir euch von Herzen für eure Bereitschaft danken, Verantwortung für die UNCAV zu übernehmen. Eure Aufgabe ist nicht nur organisatorisch, sondern auch ein Auftrag, den internationalen Journalismus in Wien zu fördern, die Meinungsfreiheit zu stärken und die Plattform der UNCAV weiterzuentwickeln.
In einer solchen Zeit wird deutlich: Internationale Berichterstattung ist kein Zusatzangebot. Sie ist demokratische Notwendigkeit.
Meinungsfreiheit braucht professionelle Vermittlerinnen und Vermittler.
Sie braucht Zugang zu Institutionen.
Sie braucht Schutzräume für journalistische Arbeit.
Sie braucht kollegiale Solidarität.

Wir wünschen euch viel Erfolg, Klarheit und Mut für die kommenden Jahre. Möge eure Arbeit von kreativen Ideen, Teamgeist und visionärer Weitsicht geprägt sein. Nutzt die Chance, neue Initiativen zu starten, den Dialog zu fördern und die UNCAV noch sichtbarer in der internationalen Medienlandschaft zu positionieren.

Möge jede Entscheidung, die ihr trefft, im Geist der Objektivität, Offenheit und Solidarität getroffen werden, die unsere Organisation seit 40 Jahren auszeichnet. Wir wünschen euch Freude an den Aufgaben, Inspiration in der Zusammenarbeit und die Energie, die UNCAV mit frischen Impulsen in die Zukunft zu führen.
Fotos: © copyright Hedi BOUSNINA


